Dienstag, 24. März 2015

Die erhöhte Schlange & der erhöhte Jesus


Das Volk Israel hat auf seinem vierzigjährigen Weg durch die Wüste in das von Gott versprochene Land immer wieder den Mut verloren und gezweifelt, ob es jemals das Ziel erreichen werde. Mose musste oft für die Israeliten bei Gott eintreten und dessen Vergebung erbitten und erwirken. In der heutigen Lesung hören wir, dass Gott eine Schlangenplage schickte, so dass viele Israeliten gebissen wurden und starben. Gott gebot dem Mose eine Schlange aus Kupfer an einer Stange aufzuhängen, damit jeder, der zu ihr aufblickte, von den tödlichen Schlangenbissen geheilt werde.

Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig.

Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen und viele Israeliten starben. Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.

Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. Buch Numeri 21,4-9


 Jesus hat in seinen Streitgesprächen mit den Juden diesen Vorgang öfter aufgegriffen und die in der Wüste erhöhte Kupferschlange auf sich bezogen: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“ Lies: Johannesevangelium 8,21-30


Ein Pfarrer führte ein Gespräch mit einem Mann, dessen junge Frau er nach einer schweren Krankheit, die zum Tod geführt hatte, beerdigen musste. Der Mann war sehr traurig, und der Pfarrer versuchte, ihn irgendwie zu trösten. Doch er merkte, dass seine Worte keinen Trost vermitteln konnten. Schließlich stockte er und sagte: „Ich weiß, es gibt im Grunde keinen Trost.“ „Doch“, sagte der Mann, „Sonntag saß ich in der Kirche. Auf die Predigt habe ich nicht geachtet. Ich schaute einfach zum Kreuz. Da hatte ich plötzlich das Gefühl, dass Jesus mir seine Arme entgegenstreckt und ich war irgendwie getröstet.“

Samstag, 14. März 2015

Papst Franziskus ruft ein Heiliges Jahr aus


Nach der Bekanntgabe des Papstes, dass die Kirche 2016 ein „Jubiläum der Barmherzigkeit“ begehen wird, sind die Reaktionen in der Weltkirche sehr positiv. Bischofskonferenzen weltweit begrüßen die Ankündigung. Auch die Stadt Rom freut sich auf den besonderen Anlass und dankt Franziskus für diese Verkündigung, wie der Bürgermeister der Stadt Ignazio Marino sagte. Es sei nun wichtig für die Hauptstadt Italiens, sich auf das Jahr rechtzeitig vorzubereiten und die Pilger so gut wie möglich zu empfangen.

Blicken wir zurück auf Freitagabend im Petersdom: Es war eine besinnliche Bußfeier, just am Tag, an dem Papst Franziskus seinen zweiten Jahrestag seiner Wahl feierte. Am Morgen fand keine Messe in der Kapelle Santa Marta statt und auch die Fastenpredigt von Pater Raniero Cantalamessa fiel aus. Freitag, der 13. März, war im gesamten Vatikan ein Feiertag. Die Bußfeier am Abend fand im Rahmen der Initiative „24 Stunden für den Herrn“ statt. Papst Franziskus hörte wie im vergangenen Jahr auch schon mit vielen anderen Priestern Beichte. Dann hielt der Papst seine Ansprache und teilte mit, dass er für 2016 ein Heiliges Jahr einberufen wolle. Er erläuterte auch genauer, was damit gemeint sei: „Das ist die Zeit der Barmherzigkeit. Es ist wichtig, dass die Gläubigen sie leben und in alle Gesellschaftsbereiche hineintragen.

Weiter fügte Franziskus an, dass er die Organisation dieses Jahres dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Neuevangelisierung anvertraue, „auf dass es ein neuer Abschnitt auf dem Weg der Kirche in ihrer Mission wird, jedem Menschen die Frohe Botschaft der Barmherzigkeit zu bringen“. Er sei davon überzeugt, „dass die ganze Kirche – welche die Barmherzigkeit so nötig hat, denn wir sind alle Sünder – in diesem Jubiläumsjahr die Freude findet, die Barmherzigkeit Gottes neu zu entdecken und fruchtbar werden zu lassen“.

Das Heilige Jahr wird zum 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) begonnen. Es sei damit eine Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen, so der Vatikan in einer Pressemitteilung vom Wochenende. Datum der Eröffnung ist der 8. Dezember 2015, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig Jahrestag des Endes des Konzils. Enden wird das Heilige Jahr am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest. (rv 14.03.2015 mg)

Geschichtliches


Papst Bonifaz VIII., Nachfolger des zurück getretenen Papstes Coelestin,  rief für das Jahr 1300 das erste Mal überhaupt ein Heiliges Jahr aus. Bonifaz wollte damals genau das feiern, was Franziskus heute auch feiern will: Die Vergebung Gottes, Gottes Barmherzigkeit. Bis dahin war die einzige Möglichkeit, im Mittelalter eine vollständige Lossprechung zu bekommen, ein Kreuzzug oder eine lange Pilgerreise etwa nach Santiago zu machen. Nun ging das also auch in Rom, was eine Aufwertung des Zentrums der Kirche bedeutete und eben auch eine neue Institution, das Heilige Jahr.

Biblische Grundlage


Das Heilige Jahr heißt ursprünglich Jubeljahr oder Jubiläum und geht zurück auf Levitikus 25,8, dort wird jedes 50. Jahr die Befreiung der Sklaven, Erlass von Schulden und Rückgabe von Grund und Boden angeordnet. Es soll der sich entwickelnden Tradition der Kirche nach der inneren Erneuerung der Gläubigen dienen. Immer wieder wurden diese Jahre auch für aufsehenerregende Gesten genutzt, die das Grundthema der Jahre - die Vergebung durch Gott - ausdrücken, zuletzt die großen Vergebungsbitten Papst Johannes Paul II., die er in einer Liturgie zum Heiligen Jahr 2000 aussprach.

Zunächst ließ man es alle 100 Jahre stattfinden, dann verkürzte man auf 50, später 33 und zuletzt 25 Jahre. So hat das letzte Jubeljahr 2000 stattgefunden. Immer wieder hat es aber auch außerordentliche Jahre gegeben, zuletzt 1983, so dass auch hier Papst Franziskus eine Tradition aufgreift.

Große Bedeutung für die Stadt Rom


Das Jahr beginnt mit dem Öffnen der Heiligen Pforten – der symbolischen Öffnung neuer Wege zum Heil – und endet mit deren Schließung. Die Pforten in Sankt Peter sowie in Johannes im Lateran, Santa Maria Maggiore und Sankt Paul vor den Mauern sind normalerweise zugemauert.

Seit Einführung der Heiligen Jahre ist die Vorbereitung auf die Pilgerströme auch ein Anlass für bauliche Maßnahmen in der Stadt. Rom ist von den Heiligen Jahren geprägt, brachten die Pilger doch immer Votivgaben mit, welche die vielen Kirchen der Stadt schmücken. Auch einige Brücken sind für Pilgermassen gebaut, Julius II. zum Beispiel war das Einbahnsystem der Engelsburg nicht geheuer, er ließ 1500 eine zweite Brücke bauen, die Ponte Sisto.

Aber abgesehen von den vielen äußeren Dingen wollen diese Jahre Zeiten der Neuentdeckung zentraler Glaubensinhalte sein und diese mit ganz konkreten Handlungen, eben einer Pilgerfahrt nach Rom, verbinden. Das nächste reguläre Heilige Jahr wird dann 2025 stattfinden. (rv 14.03.2015 ord)

Freitag, 13. März 2015

Wort Gottes für den Tag 13. März 2015

Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott!
Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.
Kehrt um zum Herrn,
nehmt Worte der Reue mit euch und sagt zu ihm:
Nimm alle Schuld von uns und lass uns Gutes erfahren!
 Wir danken es dir mit der Frucht unserer Lippen.
Assur kann uns nicht retten.
Wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten
und zum Machwerk unserer Hände sagen wir nie mehr: Unser Gott.
Denn nur bei dir findet der Verwaiste Erbarmen.

Ich will ihre Untreue heilen
und sie aus lauter Großmut wieder lieben.
Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt.
Ich werde für Israel da sein wie der Tau,
damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie der Libanon.
Seine Zweige sollen sich ausbreiten,
seine Pracht soll der Pracht des Ölbaums gleichen
und sein Duft dem Duft des Libanon.
Sie werden wieder in meinem Schatten wohnen;
sie bauen Getreide an und gedeihen wie die Reben,
deren Wein so berühmt ist wie der Wein vom Libanon.
Was hat Efraim noch mit den Götzen zu tun?
Ich, ja ich, erhöre ihn, ich schaue nach ihm.
Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht.

Wer weise ist, begreife dies alles, wer klug ist, erkenne es.
Ja, die Wege des Herrn sind gerade;
die Gerechten gehen auf ihnen,
die Treulosen aber kommen auf ihnen zu Fall.
(Hosea 14,2-10)

Wem vergeben wird, der kann wieder aufleben. Wer dies in Worten und Zeichen erfahren darf, spürt: Die Seele atmet auf und fühlt sich wieder frei. Das Volk Israel, immer wieder schuldig geworden gegenüber seinem Gott, blüht unter seiner vergebenden Liebe wieder auf. Gott schenkt Leben in Fülle. Die Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja umschreibt das mit wunderbar einfachen Begriffen wie: Schatten, Wohnen, Getreide und Wein.
Was der Prophet Hosea einst gesprochen hat, wird immer wieder wahr. Wo der Mensch Reue zeigt und zu ihm umkehrt, dort spricht Gott heilende Worte der Vergebung und des Neuanfangs.

Mittwoch, 11. März 2015

Papst Franziskus: „Alt zu sein, ist eine Berufung“


Papst Franziskus hat die alte Prophetin Anna als „erste Predigerin über Jesus“ gewürdigt. In seiner Katechese bei der Generalaudienz über den spirituellen Reichtum alter Menschen erinnerte Franziskus an diesem Mittwoch an die Stelle aus dem Lukas-Evangelium (Lk
2,29-32), als die beiden Alten Simeon und Anna im Jerusalemer Tempel dem neugeborenen Jesus begegnen. Die beiden hatten „keine wichtigeren Aufgaben als diese: auf den Herrn warten und beten“, so der Papst. Simeon sei in dieser Begegnung zum Dichter geworden, Anna zur „ersten Predigerin“ über Jesus: Sie „sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“, zitierte Franziskus die Schrift.

Der Papst lud alle Gläubigen im fortgeschrittenen Alter dazu ein, sich auf Simeons und Annas geistliche Spuren zu begeben. „Das Gebet der Alten und der Großeltern ist ein Geschenk für die Kirche, ein Reichtum! Eine Injektion der Weisheit auch für die ganze Gesellschaft: besonders jene, die zu beschäftigt ist, zu eingespannt und zu zerstreut. Jemand muss doch auch für sie singen und die Zeichen Gottes verkünden und für sie beten!“ Der Papst würdigte an dieser Stelle seinen Vorgänger Benedikt XVI., „der die Wahl getroffen hat, seinen letzten Lebensabschnitt im Gebet und im Hören auf Gott zuzubringen“.

„Alt zu sein, ist eine Berufung“, unterstrich Franziskus vor den Gläubigen auf dem Petersplatz. Es sei keineswegs die Zeit, „die Ruder ins Boot zu ziehen“. Allerdings gelte es, sich diese geschenkte Zeit des Lebens ein wenig zu „erfinden“, denn „unsere Gesellschaften sind spirituell und moralisch noch nicht dazu in der Lage“, der letzten Lebensphase „ihren vollen Wert zu geben“. Selbst die christliche Spiritualität sei „ein wenig auf dem falschen Fuß erwischt“ worden: „Es geht darum, eine Spiritualität der alten Menschen zu entwerfen“.

Franziskus, der sich selbst ausdrücklich in die Reihen der Alten stellte, zählte einige geistliche Aufgabenfelder für seine Altersgenossen auf. „Wir können dem Herrn für die empfangenen Gaben danken und die Leere der Undankbarkeit erfüllen, die ihn umgibt. Wir können für die Erwartungen der neuen Generationen eintreten und die Erinnerung an die Opfer der vergangenen Generationen würdigen. Wir können die ehrgeizigen Jugendlichen daran erinnern, dass ein Leben ohne Liebe ein trockenes Leben ist. Wir können den angsterfüllten Jugendlichen sagen, dass die Angst vor der Zukunft besiegt werden kann. Wir können die zu sehr in sich selbst verliebten Jugendlichen lehren, dass im Geben mehr Freude liegt als im Nehmen. Die Großväter und die Großmütter bilden den dauerhaften Chor eines großen spirituellen Heiligtums, in dem das Fürbitt-Gebet und der Lobgesang die Gemeinde unterstützen, die im Feld des Lebens arbeitet und kämpft.“
Das Gebet reinige auch das Herz, fuhr Franziskus fort. Lob und Fürbitte bei Gott beugten der „Verhärtung des Herzens“ vor. „Wie hässlich ist der Zynismus eines Alten, der den Sinn seines Zeugnisses verloren hat, die Jungen verachtet und keine Lebensweisheit ausstrahlt! Und sie schön dagegen ist die Ermutigung, die der Alte dem Jungen zu übermitteln versteht, der den Sinn des Glaubens und des Lebens sucht!“ Worte von Großeltern hätten „etwas Besonders“ für Jugendliche. Franziskus bekannte, dass er selbst immer einen Brief bei sich trage, den ihm seine Großmutter am Tag seiner Priesterweihe eingeschrieben zukommen ließ. Der Brief liege in seinem Brevier „und ich lese ihn oft, und er tut mir gut“. Er wünsche sich „eine Kirche, die die Kultur des Aussonderns herausfordert mit der überfließenden Freude einer neuen Umarmung zwischen Jugendlichen und Alten.“
(rv 11.03.2015 gs)

Montag, 9. März 2015

Belgisches Königspaar zum Staatsbesuch beim Papst


Foto: Belga

 
Im Apostolischen Palast ist Papst Franziskus an diesem Montag mit dem belgischen Königspaar Mathilde und Phillipe zusammengetroffen. Zu den Themen, die der Papst und seine Mitarbeiter mit dem belgischen Königspaar besprachen, gehörten der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft, Bildung und Erziehung von Jugendlichen, das Migrationsphänomen und die Notwendigkeit eines interkulturellen bzw. interreligiösen Dialogs. Auch Europa und die EU sollen ein Thema gewesen sein. Belgien beherbergt mit Brüssel sozusagen die administrative Hauptstadt von Europa. (rv)

Sonntag, 8. März 2015

Betrachtung zum Evangelium, am Montag der 3. Fastenwoche


Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lk 4,24-30)

Wie üblich besucht Jesus am Sabbat den Gottesdienst in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret und kommt dort auch der Aufforderung nach, etwas zur „Erbauung“ zu sagen. Zunächst sind alle erstaunt und fasziniert, denn „er redet wie einer, der Macht hat.“ Dann jedoch kippt die Stimmung. Aus Staunen und Anerkennung wird Ablehnung, ja sogar Hass, der Jesus beinahe das Leben kostet. Wie kann es zu einem solchen Widerspruch kommen?

Ist es nicht ganz verständlich, wie die Menschen in Jesu Heimatstadt Nazaret reagieren? Nicht nur, dass er den Menschen seiner Heimat vorwirft, sie wollen ihn nicht verstehen, sondern auch, dass Gott bei ihnen gar nicht ankommen kann, dass er gar nicht für sie da sein kann, weil sie verbohrt und verstockt sind. Und er vergleicht dies: „Es ist noch heute so wie damals“, so sagt Jesus sinngemäß „es hat sich nichts, aber auch gar nichts an eurem Verhalten geändert. Schon damals konnten die Propheten Elija und Elischa nicht handeln, weil die Leute den Glauben verworfen hatten. Bei Menschen, die gar nicht zum auserwählten Volk gehörten, da handelt Gott durch seine Propheten, bei der Witwe in Sarepta und beim Syrer Naaman.“ Und das bringt die Menschen in Nazaret in Rage. Sie wollen sich nicht von einem Zimmermanns-Sohn vorhalten lassen müssen, dass sie für Gottes Wirken unempfänglich sind. Und in ihrer Wut wollen sie Jesus vom Abhang des Berges stürzen. –

Damit haben wir eine stets aktuelle Situation. Der Prozess der Entscheidung für oder gegen Jesus Christus geht weiter - mit Beifall oder Ablehnung. Jesus lädt auch uns ein, uns für sein Wort zu öffnen, damit wir unser Leben auch nachhaltig ändern und an ihm ausrichten. Sind auch wir verstockt? Sind auch wir verbohrt? Wollen auch wir sein Propheten-Wort nicht hören?

Samstag, 7. März 2015

Wort für den Tag, Sonntag, 08. März 2015


Auf die Frage eines Religionslehrers, was das Christentum sei, antwortet ein 12-jähriger spontan: »Christentum ist das, was man nicht darf«  Eine Aussage, welche die Einstellung vieler Mitmenschen zur Kirche ausdrückt. Viele Menschen verbinden Religion, Glaube und Kirche mit Geboten und Verboten: Du sollst nicht, du darfst nicht!

In jenen Tagen sprach Gott auf dem Berg Sinai alle diese Worte:
Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

*     Du sollst neben mir keine andern Götter haben.
*     Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.
*     Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
*     Ehre deinen Vater und deine Mutter,
*     damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
*     Du sollst nicht morden. Du sollst nicht die Ehe brechen.
*     Du sollst nicht stehlen.
*     Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
*     Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört. (Buch Exodus 20,117)

Dabei ist dieser kleine Abschnitt aus dem Buch Exodus nur ein winzig kleiner Teil unserer hl. Schrift und will uns nicht einengen oder drängeln, sondern zur wahren Freiheit führen. Nicht umsonst steht am Anfang des Dekalogs, der 10 Gebote, der Satz: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Das ist der alles entscheidende Satz.

Jahwe fordert sein Volk auf, sich zu erinnern wo es her kommt, nämlich aus der Sklaverei Ägyptens. Und nun, kurz bevor sie ins gelobte Land einziehen gibt er ihnen 10 Regeln an die Hand, damit sie frei bleiben, damit sie nicht wieder in irgendwelche Abhängigkeiten geraten.

Gott liegt aber nichts mehr am Herzen als unsere Freiheit. Darum gab er Israel und uns die Gebote. Er gab sie ihnen und uns, damit es uns gut geht, damit wir nicht zu Sklaven von anderen Menschen oder zu Sklaven unserer eigenen Neigungen und Wünsche werden:

Ich bin der Herr, dein Gott

1. Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und ihm dienen!
Das ist für Christen die Forderung, den Glauben an den einen Gott, der Vater, Sohn und Geist ist, zu bekennen. Auf ihn sollen wir unsere Hoffnung setzen, denn er ist Ursprung und Ziel unseres Lebens.

2. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!
Das ist eine Forderung der Ehrfurcht vor dem unergründlichen Geheimnis Gottes. Wir können nicht groß genug von seiner Macht und Herrlichkeit denken. Das muss unser Reden von Gott, unseren Umgang mit ihm und mit allem bestimmen, was zu Gott gehört.

3. Gedenke, dass du den Sabbat heiligst!
Das ist für den Christen die Forderung, an der schöpferischen Ruhe Gottes teilzunehmen und im Gottesdienst dem Herrn für die Gaben der Schöpfung und die Gnade des Erlösungswerkes zu danken, wie es die Kirche vor allem in der sonntäglichen Feier der Eucharistie tut.

4. Du sollst Vater und Mutter ehren!
Das ist die Forderung in der Familie, in Staat und Gesellschaft, in der Kirche jedem Glied der Gemeinschaft mit Achtung zu begegnen und zu ihm zu stehen.

5 Du sollst nicht töten!
Das ist die Forderung, das eigene und das fremde Leben zu achten. Geistiges und leibliches Leben sind Gaben, die uns Gott zur Pflege und Entfaltung anvertraut.
Das schließt den Auftrag ein, für gesunde Lebensbedingungen zu sorgen und ein Klima der gegenseitigen Fürsorge zu schaffen, in dem jeder nicht nur sein Recht erhält, sondern auch jene Liebe und Anerkennung erfährt, ohne die er verkümmern müsste.

6. Du sollst nicht ehebrechen! - 9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/ deiner Nächsten Mann.
Eine verantwortungsbewusste Haltung gegenüber der Geschlechtlichkeit schafft die Voraussetzung für eine menschenwürdige Begegnung zwischen Mann und Frau.

7. Du sollst nicht stehlen! - 10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!
Das ist die Forderung, das Eigentum des Nächsten zu respektieren und verantwortlich mit eigenem und fremdem Gut umzugehen.

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.
Das ist die Forderung nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Reden und Handeln. Kein Mensch kann sich entfalten und keine Gemeinschaft kann Bestand haben, wenn falscher Schein, Täuschung und Lüge, Verleumdung, Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit das Vertrauen und die Sicherheit untergraben und zerstören. Wir leben von der Treue und von der Wahrhaftigkeit Gottes.

Aus: Beten im Alltag, Action 365.